Terezin/Theresienstadt: Ein Ort der Krankheit

 

Von Nora Stöber

„Schon das Auflegen des Hörrohrs oder das Zurechtrücken der Patienten bei der Röntgendurchleuchtung konnte Rippenbrüche verursachen.“

So beschreibt der Überlebende H.G. Adler die Folgen des starken Vitaminmangels der Gefangenen im Ghetto Theresienstadt. Die schlechte medizinische Versorgung und der Mangel an Lebensmitteln verursachten viele Mangelkrankheiten. Im Frühling 1943 waren ca. 18.400 der ungefähr 46.000 Gefangenen mehr als 30% untergewichtig.

Viele andere Krankheiten, die sich im Ghetto schnell verbreiteten, verliefen wegen der Lebensumstände oft ungewöhnlich heftig. Im Jahr 1943 waren laut H.G. Adler im Durchschnitt täglich 10.398 der Gefangenen krank.

Sie litten unabhängig von ihrem Alter zum Beispiel an infektiösen Durchfällen, der Lungenkrankheit Tuberkulose oder den „Kinderkrankheiten“ Masern, Röteln, Mumps und Windpocken. Viele Gefangene starben an Krankheiten, die unter anderen Umständen nur selten tödlich verliefen.

Der Beitrag entstand im Rahmen des Seminars „Biografisches Arbeiten in der Erinnerungskultur“ von Prof. Wolfgang Sannwald am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft im Sommersemester 2020. Die wichtigste Quelle war die Untersuchung und Darstellung eines Überlebenden: Adler, H.G.: Theresienstadt 1941–1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft. Tübingen 1955.

Ev0 20200004 de

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