Führerbunker am Kniebis

Auf dem Kniebis im Schwarzwald bewohnte Adolf Hitler 1940 für wenige Wochen einen Bunker im dortigen Führerhauptquartier. Dieses führte zur Tarnung den Namen Tannenberg. Reste der Bunkeranlage sind im Gelände hinter dem Parkplatz bei der Zollstockhütte erhalten. Den historischen Hintergrund hat Ralf Bernd Herden in der historischen Zeitschrift Die Ortenau 2002 und 2013 dargestellt.

Der deutsche Reichskanzler, Reichspräsident, NSDAP-Führer und Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht Adolf Hitler nutzte dieses Führerhauptquartier im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) als Befehlsstelle. Er und das von ihm gelenkte Deutsche Reich hatten den Zweiten Weltkrieg gewollt und geplant. Sie überfielen zunächst Polen, eroberten dann Frankreich. Als Oberbefehlshaber der Wehrmacht griff Hitler persönlich in militärische Operationen ein. Die Wehrmacht ließ für Hitler 21 geschützte und getarnte Führerhauptquartiere in der Nähe der angegriffenen Staaten anlegen. Vom Kniebis aus wollte er den Einsatz der Wehrmacht gegen Frankreich befehlen. Einheiten der Organisation Todt errichteten hier von Oktober 1939 bis Juni 1940 zwei Bunker neben bestehenden Anlagen der Luftverteidigung. Am 27. Juni 1940 verlegte Hitler sein Hauptquartier hierher. Er flog mit einem Flugzeug des Typs Condor D-2600 nach Eutingen, wo ihn SS-Männer seiner Leibgarde abholten und mit dem Auto auf den Kniebis brachten. Zu seinem Hauptquartier gehörten unter anderem einerseits militärische Befehlshaber wie die Generale Keitel, Bodenschatz oder Jodl. Andererseits begleitete ihn eine größere Anzahl von Propagandapersonal, Berichterstattern, Fotografen, ein Kameramann. Der Beton der Bunker war noch nicht durchgetrocknet, so dass es in den Anlagen sehr feucht war. Ein ortsansässiger Flaschner erzählte später von defekten Abwasserleitungen, so dass Teile des Führerhauptquartiers regelrecht unter Wasser standen. Da auch Frankreich im Zweiten Weltkrieg rasch kapitulieren musste, nutzte Hitler sein Hauptquartier Tannenberg auf dem Kniebis nur zwei Wochen lang, bis 6. Juli 1940. In dieser Zeit unternahm er Besichtigungsfahrten ins Elsass, nach Straßburg, in die Ortenau, nach Freiburg und nach Freudenstadt. Auf dem Kniebis empfing er Reichsleiter und den italienischen Botschafter.

Die NS-Propaganda verklärte die Führerhauptquartiere zu mythischen Orten. Aus Äußerungen Hitlers zu seinen Hauptquartieren geht hervor, dass er sie als künftige „Wallfahrtsorte“ für die „Volksgenossen“ inszenierte. Da er das Bild eines asketischen Staatsführers vermitteln wollte, legte er Wert auf die einfache Ausstattung seines Hauptquartiers und damit seine künftige Idealisierung. Insofern sprengten französische Truppen nach der Befreiung Deutschlands nicht nur die Bunker von Hitlers Führerhauptquartier auf dem Kniebis, sondern auch einen geplanten Wallfahrtsort der NS-Propaganda. Bis heute bringen geborstene Betonmassen zwischen dem Parkplatz und zwei Waldwegen dieses Zeugnis für den verbrecherischen Angriffskrieg Deutschlands von 1939 bis 1945 zum Vorschein. (ws)

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