Ein Türknauf in Theresienstadt

Ein verlassenes Haus im Dunkeln an einer Straße mitten in der tschechischen Kleinstadt Terezín: Lennart Fangmeier stand bei der Exkursion von Jugendguides und Studierenden ins ehemalige KZ-Ghetto Theresienstadt im November 2021 davor. KulturGUT e.V. und der Landkreis Tübingen bieten diese Qualifizierung seit 2012 jährlich an. In 40 Stunden besuchen die Teilnehmenden, die zwischen 15 und 23 Jahren alt sind, Orte an denen NS-Verbrechen zum Vorschein kommen, formulieren ihre eigenen Positionen, lernen den Umgang mit Gruppen. In dem Haus, zu dem Lennart bei der Exkursion ging, lebte zeitweise die aus Tübingen deportierte Ilse Bloch, geborene Löwenstein, auf etwa zwei Quadratmetern. 1943 war sie dorthin deportiert worden. Auch ihr Mann, ihr Vater und ihre Mutter mussten in dem Ghetto leben. Besonders beeindruckte den Studenten der Geschichte und der Empirischen Kulturwissenschaft der Türknauf aus der Bauzeit des Hauses. Wahrscheinlich hat ihn Ilse Bloch selbst oft gedrückt. Er nahm das Gebäude so lange in Augenschein, dass ihn schließlich jemand ansprach: Was hatte er mitten in der Nacht da zu suchen? Als sie sagten, dass sie den Spuren eines Opfers der Shoah nachrecherchierten, bot ihnen der Tscheche Hilfe und Kontakte an. Lennart beeindruckte, wie hilfsbereit und offen der Anwohner mit der Vergangenheit des Ortes umging.

 

 

Foto: Lennart Fangmeier

 

 

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